Norwegische „Super“-RoHS in Vorbereitung
Die norwegischen Behörden informierten am 8. Juni 2007 die WTO (Welthandelsorganisation) über ihr Vorhaben, 18 Substanzen in Norwegen aus Konsumgütern zu verbannen. Es wird nur wenige Ausnahmen dazu geben. Die Verordnung trägt den englischen Titel „Prohibition on Certain Hazardous Substances in Consumer Products (PoHS)“. Zwar ist der Titel ähnlich dem der RoHS-Direktive der EU, doch mit dem Kürzel „PoHS“ wollen die Norweger darauf hinweisen, dass die geplante Verordnung keine Kopie der RoHS ist, sondern anders und bei Konsumgütern inhaltlich weit über diese hinaus geht. Obwohl die Richtlinie nur für Norwegen gelten soll, wird sie aufgrund der engen Einbindung Norwegens in den europäischen und weltweiten Handel sehr wahrscheinlich der neue de-facto-RoHS-Standard für solche Firmen sein, die nach Europa exportieren. Denn nur wenige dieser Exportfirmen werden Produktvarianten extra für den norwegischen Markt herstellen. Das gilt um so mehr, als die EU-Behörden bereits bei Erscheinen der RoHS angekündigt hatten, dass zukünftig mit großer Wahrscheinlichkeit weitere Stoffverbote zu den bestehenden sechs hinzukommen werden. Das scheint nun zeitlich absehbar. Durch die RoHS sind gegenwärtig folgende Stoffe verboten: Blei, Quecksilber, Cadmium, sechswertiges Chrom, Polybromierte Biphenyle (PBB), Polybromierte Diphenylether (PBDE).
Die norwegische Verordnung PoHS enthält folgende für die Elektro- und Elektronikindustrie relevante Stoffe (in Klammern Beispiele für beeinflusste Produkte):
- Arsen (Galliumarsenid-Bauteile)
- Nicht-reaktives (non reacted) TBBPA (Tetrabrombisphenol A, Flammhemmer in FR4-Leiterplatten)
- HBCD (Hexabromcyclododecan, Flammhemmer)
- DEHP (Diethylhexylphthalat, PVC-Plastifikator)
- Bisphenol A (Monomer für Polycarbonat)
- Blei (in allen Konsumgütern, die nicht schon von der RoHS betroffen sind, Ausnahme Medizintechnik)
- Cadmium (in allen Konsumgütern, die nicht schon von der RoHS betroffen sind, Ausnahme Medizintechnik)
Von den 18 verbotenen Stoffen sind nur 2 (Blei, Cadmium) Bestandteil der RoHS. Das bedeutet, dass von RoHS und PoHS insgesamt schon 22 Stoffe betroffen sind.
Die PoHS ist den bereits existierenden EU-Verordnungen untergeordnet, z. B. der RoHS, der Batterie- und Akku- sowie der Verpackungsverordnung. Das bedeutet, dass elektrische und elektronische Produkte, die in den Bereich der RoHS fallen, nicht die schärferen Forderungen der PoHS für Blei zu erfüllen haben, aber sie müssen die Forderungen bezüglich der übrigen 16 Stoffe erfüllen, die nicht in der RoHS enthalten sind. Im Ergebnis dessen müssen alle Firmen, die in Norwegen Handel treiben, viele oder sogar alle ihre Konformitätszertifikate erneuern. Eine Ausnahme stellt dar, wenn die Firma eine IPC-1752-konforme Datenbank einsetzt und so die Herkunft der Daten nachweisen kann.
Der Bleigehalt bei homogenen Stoffen darf in Anlehnung an die RoHS (MCV - Maximum Concentration Values) laut PoHS maximal 25 ppm betragen.
Der Entwurf der PoHS soll bis zum 15.12.2007 beschlossen werden und am 1.1.2008 in Kraft treten. Die öffentlichen Abstimmungen sind in vollem Gange und sollen zum 1.9.2007 abgeschlossen sein. Daraus sich ergebende Vorschläge bzw. Veränderungen fließen beim Gesetzgeber ein. Es ist geplant, die PoHS als zusätzliches Kapitel in die norwegischen „Product Regulations“ aufzunehmen. Weitere Informationen (Originaltexte des PoHS-Entwurfes, des Leitfadens „Norwegian PoHS Guidance Notes“): www.rohs-international.com.

